Diagnostik & Therapie für Kinder, Jugendliche und Erwachsene

Sprachstörungen bei Kindern

Sprachstörungen bei Kindern

Die Sprech- und Sprachauffälligkeiten im Kindesalter können verschiedene Ursachen und Symptome haben; Es können Störungen im Bereich der Sprachentdeckung, des Sprachverständnis, des Wortschatzes, der Aussprache, der grammatikalischen Entwicklung, und des Erzählens auftreten. Aber auch Störungen des Redeflusses, der Hörverarbeitung (auditiven Wahrnehmung) und des Lese-Rechtschreiberwerbs zählen dazu. Von einer Störung wird dann gesprochen, wenn der Rückstand zur durchschnittlichen Sprachentwicklung 6-12 Monate beträgt und/oder die Kommunikation im Alltag stark beeinträchtigt ist.

Kinder erreichen mit Spaß und Spiel ihre Ziele. Es werden je nach Störungsbild individuelle Übungen zusammengestellt. Die Ziele werden spielerisch mit dem Kind erarbeitet. Die Beratung der Eltern und des sozialen Umfeldes ist ein wichtiger Bestandteil der Therapie. Durch die intensive Beratung werden die Eltern zu "Co-Therapeuten" und tragen entscheidend zu den Therapieerfolgen bei!

Wenn ein Kind sprechen lernt, ist es völlig normal, dass das Kind nicht sofort alle Wort- und Satzkonstruktionen richtig bilden kann. Mit vier bis fünf Jahren sollte es jedoch die meisten grammatischen Strukturen korrekt bilden können. Auch eine Einschränkung des Wortschatzes bzw. des Sprachverständnisses können Hinweis auf eine Sprachentwicklungsverzögerung sein.

Auffälligkeiten im Bereich der Grammatik können z.B. Auslassungen der Vorsilbe „ge-“ („Ich habe lacht“), das falsche Beugen von Verben („Ich machen“), oder Auslassungen von Wörtern bzw. Umstellung von Sätzen sein („Mama lange Haare hat“).

Die Einschränkung des Wortschatzumfanges ist beispielsweise daran erkennbar, dass dem Kind zur Kommunikation notwendige Wörter wie Nomen (z.B. Hund, Auto), Verben (z. B. laufen, essen) oder Adjektive/Adverbien (z.B. schön, groß) fehlen und es häufig auf allgemeine Wörter wie "Dings", "machen" oder "so" zurückgreift. Oft haben die Kinder auch Probleme, Wörter in einen Zusammenhang zu bringen (z.B. Hund und Katze dem Begriff "Tier" zuzuordnen oder Augen, Mund und Nase dem Begriff "Gesicht").

Da eine Sprachentwicklungsverzögerung häufig ein erhöhtes Risiko für spätere Lernschwierigkeiten oder für eine Lese-Rechtschreibschwäche darstellt, ist es sehr wichtig, möglichst früh mit einer logopädischen Therapie zu beginnen.

Als Late Talker werden Kinder mit einem verspäteten Sprechbeginn bezeichnet. Von einem verspäteten Sprechbeginn spricht man, wenn Kinder mit 24 Monaten weniger als 50 Wörter sprechen und keine Zweiwortsätze bilden können. Late Talker entwickeln sich in den anderen Entwicklungsbereichen altersentsprechend.

Nachdem der Schwellenwert von 50 Wörtern erreicht ist, kommt es bei Kindern zu einer sogenannten „Wortschatzexplosion“, bei der Kinder innerhalb kürzester Zeit mehrere hundert Wörter lernen. Mit einem Wortschatz von 50 Wörtern haben Kinder zudem die nötige Voraussetzung, durch Bildung von Zwei- und Mehrwortsätzen in die Grammatik einzusteigen. Kinder, die das 50-Wort-Kriterium nicht erreichen werden als Late Talker bezeichnet.

Man geht davon aus, dass ca. 13-20% aller Zweijährigen sogenannte Late Talker sind. Die Einstufung eines Kindes als Late Talker beinhaltet das Risiko für eine sich möglicherweise entwickelnde Spracherwerbsstörung. Etwa die Hälfte aller Late Talker kann ihren Rückstand im Spracherwerb bis zum dritten Geburtstag aufholen. Die verbleibenden Kinder zeigen ab dem dritten Geburtstag eine Sprachentwicklungsstörung. Eine Früherkennung von Late-Talker-Kindern bedeutet also, dass ein Entwicklungsrisiko erkannt wird, ohne dass zu diesem Zeitpunkt bereits feststeht, ob sich wirklich eine Störung ausbilden wird. Die frühzeitige Risikoerkennung ermöglicht eine Förderung der betroffenen Kinder in einer Lebensphase mit dem größten Entwicklungspotential noch bevor sich eine Störung ausbildet.

Entgegen einer jahrzehntelangen Haltung des „Abwartens“ wird heute eine möglichst frühe Intervention empfohlen.

Eine spezifische Sprachentwicklungsstörung (SSES) bei Mehrsprachigkeit wirkt sich immer auf alle Sprachen des Kindes aus, nicht nur auf eine.Bei mehrsprachigen Kindern muss eine SSES von einer unzureichenden Sprachentwicklung auf Grund von mangelnden Kontakten mit der jeweiligen Sprache abgegrenzt werden. Im letzteren Fall muss vor allem das Sprachangebot erhöht und verbessert werden. Einen wichtigen Beitrag dazu leistet die Sprachförderung im Kindergarten.

Liegt eine SSES vor sollte so früh wie möglich die logopädische Therapie beginnen. Ein verspäteter Sprachbeginn (ab 24 Monaten) in der/den Erstsprache/n und ein langsames Entwicklungstempo in allen Sprachen deuten auf eine SSES hin.

Eine phonetische oder phonologische Störung liegt vor, wenn ein Kind die Sprachlaute nicht richtig erlernt. Häufig zu beobachten ist, dass bestimmte Laute durch andere ersetzt oder ganz ausgelassen werden (z.B. das Wort „Käse“ wird „Täse“ gesprochen). Dies kann verschiedene Ursachen haben.

Von einer phonologischen Störung spricht man, wenn Laute zwar richtig gebildet, aber in Wörtern nicht richtig eingesetzt werden. So kann ein Kind vielleicht die Laute „b“ und „l“ in verschiedenen Worten benutzen, lässt aber in der Verbindung „Blume“ einen aus und spricht z.B. „Lume“.

Bei einer phonetischen Störung ist das Kind motorisch nicht in der Lage einen Laut auszusprechen und dieser Laut muss dann in der Therapie erlernt werden. Bei einer solchen Artikulationsstörung ist eindeutig erkennbar, welcher Laut gemeint ist auch wenn der Laut falsch gebildet wird. Das bekannteste Beispiel hierfür ist die falsche Aussprache der S-Laute, also das Lispeln.

Eine periphere Hörstörung (Schwerhörigkeit oder Gehörlosigkeit) wird durch eine Erkrankung des äußeren und/oder des Mittel- und/oder des Innenohrs verursacht. Mögliche Ursachen einer peripheren Hörstörung können u.a. häufige Mittelohrenentzündungen mit Paukenergüssen, Risse oder Vernarbungen im Trommelfell oder angeborene Innenohrschwerhörigkeit sein. Die Symptome sind oft ähnlich wie die einer zentralen Hörstörung. Je nach Schweregrad der Störung kann eine periphere Hörstörung durch hörverbessernde Operationen oder durch Hörgeräte so ausgeglichen werden, dass wieder eine möglichst normale Hörwahrnehmung zustande kommt. Oft ist Logopädie zur Korrektur der Artikulation und Aussprache, sowie zur Verbesserung der auditiven Wahrnehmung notwendig.

Zentrale Hörstörung bezeichnet eine Einschränkung der Hörwahrnehmung bei einem normal funktionierenden Hörorgan; Es liegt keine Schädigung des Ohres oder Verminderung des peripheren Hörvermögens vor. Menschen mit dieser Störung haben Schwierigkeiten beim Zuhören, beim Verstehen und Verarbeiten von auditiven Informationen.

Anzeichen für eine zentrale Hörstörung können z.B. Schmerzempfindlichkeit gegen Geräusche, eine verzögerte Sprachentwicklung mit undeutlicher Aussprache, Unsicherheiten beim Richtungshören, Defizite im Sprachverständnis und in der Merkfähigkeit, auditive Ablenkbarkeit sowie später Konzentrations- und Aufmerksamkeitsschwierigkeiten, Verhaltensauffälligkeiten, oder Lese-Rechtschreibschwierigkeiten sein.

Der selektive Mutismus bezeichnet eine Kommunikationsstörung, die vorwiegend im Kindes- und Jugendalter auftritt. Sie kennzeichnet sich dadurch, dass die Betroffenen gegenüber einem bestimmten Personenkreis unfähig sind zu kommunizieren bzw. zu artikulieren. Dabei ist die Hör- und Sprechfähigkeit in der Regel ausreichend entwickelt. In vertrauten Situationen, z.B. innerhalb der Familie, sprechen Kinder mit selektivem Mutismus meist verhältnismäßig viel. Dieses Verhalten kann sich jedoch schlagartig beim Auftreten einer fremden Person einstellen. Eine direkte Ursache ist nicht bekannt. Sowohl psychologische als auch physiologische Faktoren (z.B. familiäre Veranlagung, Entwicklungsstörungen) oder eine Kombination aus beidem können hierbei eine Rolle spielen. In den meisten Fällen besteht jedoch eine genetische Veranlagung zur Ängstlichkeit und Gehemmtheit. Die Diagnose „selektiver Mutismus“ wird normalerweise vom Kinderarzt oder Kinderpsychologen gestellt. Durchschnittlich sind mehr Mädchen als Jungen betroffen. Es bestehen verschiedene Therapiemöglichkeiten (u.a. Sprachtherapie, Familientherapie, Verhaltenstherapie), die individuell abgewogen werden sollten. Die sprachtherapeutische Behandlung zielt darauf ab, die Sprechfreude zu fördern und die Sprache als hilfreiches kommunikatives Instrument anzusehen und zu gebrauchen.

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